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Eine turbulente Entwicklungsgeschichte.



Auf seinem sechsjährigen Entstehungsweg hat dem Cobra-Tram mehr als einmal der vorzeitige und definitive Halt gedroht. Eine kurze Chronologie:

Am 20. Dezember 1996 schliessen die VBZ mit dem Konsortium "Züri Tram" einen Vertrag über die Lieferung von 17 Tramwagen des Typs Cobra Be5/6 ab. Zum Konsortium gehören die Schindler Waggon AG, die Fiat SIG Schienenfahrzeuge AG und die ABB Daimler Benz Transportation. Der vereinbarte Liefertermin für das erste Tram: März 1999.

Nach einem Jahr engagierter Vorarbeiten offenbaren sich grosse technische Probleme. Im November 1997 informiert die Zulieferindustrie, dass die zur optimalen Gewichtsreduktion gewählte Kastenbautechnologie in Wickeltechnik nicht realisiert werden kann. Als einzige realistische Alternative offeriert sich die Alu-Hybrid-Technik, Aluminium in Verbindung mit Kunststoff-Elementen und Klebtechnik. Als Konsequenz aus der gut sechsmonatigen Verzögerung einigt man sich in einem Vertrags-Nachtrag auf einen neuen Liefertermin: September 1999.

Parallel zu den technischen Hindernissen stören wirtschaftliche Umwälzungen in der Rollmaterial-Industrie den reibungslosen Ablauf der Cobra-Konstruktion.

Im September 1997 übernimmt die ADtranz die Schindler Waggon AG und die Federführung im Cobra-Projekt. Anfang 1999 führt der Verkauf des 50%igen Adtranz-Anteiles der ABB an den Partner Daimler-Chrysler zu grossen Verunsicherungen in der Industrie. Die angekündigte Schliessung der Adtranz-Werke in Oerlikon und Pratteln provoziert heftige Reaktionen aus allen politischen Lagern. Schliesslich soll Adtranz - vom kanadischen Bombardier-Konzern übernommen - die eingegangenen Verträge erfüllen und die neugegründete RailTech die Unteraufträge ausführen. Keine der Firmen, die den Grundvertrag vom 20. Dezember 1996 unterzeichneten, wird bei Inbetriebnahme des Cobra-Trams noch mit gleichem Namen im Markt vertreten sein. In der Folge ist die Lieferung weiterer Fahrzeuge nach der Nullserie unsicher, zusätzlich sind Arbeitsplätze gefährdet.

10. März 2000. In erneuten Verhandlungen der VBZ mit dem Konsortium "Züri Tram", jetzt noch bestehend aus Adtranz und Fiat-SIG, wird als Anschluss an die erste Folgeserie von elf Wagen eine Lieferung von voraussichtlich weiteren 58 Cobras vereinbart. Immer unter der Voraussetzung, dass sich die Nullserie von sechs Wagen im Zürcher Verkehrs-Alltag bewährt.

Durch anhaltende Turbulenzen im Adtranz-Konzern und anfängliche Schwierigkeiten beim Gelenkträger im Tram-Untergestell hat das Projekt weitere Verzögerungen erhalten. Der sechste und letzte Wagen der Nullserie ist im Oktober 2002 ausgeliefert worden.

Im Mai 2001 wird Adtranz vom kanadischen Konzern Bombardier übernommen. In der Zwischenzeit wurde auch Fiat-SIG vom französischen Konzern Alstom übernommen, so dass am 29. Juni 2004 ein Vertrag über 68 neue Cobras mit Bombardier und Alstom unterzeichnet wurde.

Im Liefervertrag aus dem Jahr 2000 wurden bereits die Konditionen für zusätzliche Optionsfahrzeuge fixiert, die für die Linienverlängerungen im Glattal und Tram Zürich-West nötig sind. Eingehende Ermittlungen lieferten einen zusätzlichen Bedarf von 14 Cobras, welche am 26. Oktober 2007 bestellt wurden. Mit dieser Bestellung wird die Cobra-Flotte im Jahr 2010 bei der Ablieferung des letzten Cobra 88 Fahrzeuge umfassen.




In einem derart umfangreichen Projekt, wie es die Neukreation einer Tramgeneration darstellt, können Entwicklungen, wie sie die letzten Jahre geprägt haben, grosse Unruhe stiften und Grundsatzfragen stellen. Dass die einschneidenden Veränderungen, die der Industriestandort Schweiz in dieser Zeit zu verarbeiten hatte, das Projekt Cobra trotz aller Unbilden nie ernsthaft zu gefährden vermochten, spricht für alle Beteiligten. Für die dezidierte Haltung der VBZ und der Stadt Zürich, für das Engagement aller politischen Kreise und vor allem der Gewerkschaften.

Die zuweilen turbulente Fahrt durch eine Zeit grosser industrieller und gesellschaftspolitischer Veränderungen konnte in der Zürcher Verkehrspolitik keine negativen Spuren hinterlassen. Das Cobra fährt.



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